es wird berichtet

«Der Bundesrat schickt uns Künstler in den Konkurs»

5 May 2020

SCHWEIZ – Bergführerinnen, Fitnesstrainer, Taxifahrer, Schneider, freie Journalistinnen, Schwimmlehrer, Fotografen, Tontechnikerinnen – die Liste ist lang. Selbstständige in der Schweiz, darunter Kunstschaffende, bitten um Hilfe. Der Lockdown hat sie in existienzielle Not gebracht. Zu ihnen zählt die Sängerin und Stimmcoacherin Birgit Ellmerer.

 

 Alles abgesagt: Birgit Ellmerer kann zurzeit keine Jazzkonzerte geben. / Verena Sala

 

 

«Kulturschaffende sind nichts anderes als
Kleinunternehmer. Wir sind ein Teil des Systems,
der Schweizer Wirtschaft, und zahlen Steuern. Wir haben
daher genauso ein Recht auf Soforthilfe.»

 

«Es ist ein Desaster», sagt die Jazz- und Rocksängerin Birgit Ellmerer aus Bern. «Der Bundesrat schickt uns Künstler und Kleinunternemer in den Konkurs.» Als der Lockdown losgegangen sei, so die 54-Jährige, habe der Bundesrat in einer Pressekonferenz versichert, dass niemand leiden müsse und allen geholfen werde, dass Verdienstausfälle gedeckt würden. «Jetzt ist das alle nichts.»

 

Kunstschaffende und andere selbstständig Erwerbende sind von den Folgen der Coronakrise besonders hart getroffen. Für viele ist die Lage existenzbedrohend. Den Künstlern wurden alle ihre Auftritte und Ausstellungen abgesagt und die finanziellen Auffang-Angebote sind ungenügend oder gar nicht vorhanden. Besserung ist in den nächsten Monaten nicht in Sicht, da viele Lokale und Bühnen vorerst zu bleiben.

 

Ellmerer ist nebst Sängerin auch Gesangslehrerin und Stimmcoacherin. Sie ist empört über die Weise, wie in der Schweiz mit Künstlern und Selbstständigen umgegangen wird. Auch sie ist von der fehlenden finanziellen Unterstützung des Bundesrates betroffen. Die renommierte Musikerin fordert eine Soforthilfe vom Schweizer Staat. Damit ist sie nicht alleine. Auf ihrer Facebook-Seite hat sie letzte Woche gepostet:
 

Das böse Erwachen: Viele Selbständige und
Kulturschaffende stehen vor dem NICHTS.
Null Einkommen, keine Erwerbsersatzentschädigung
oder Beträge im lächerlichen Bereich. Und was nun?
Konkurs anmelden? Sozialamt?

 

Seither haben zahlreiche Selbstständige, Kleingewerbler und Kunstschaffende mit ihr Kontakt aufgenommen. «Ich kenne zig Leute, die zahlreiche Gigs und Tourneen absagen mussten», so Ellmerer. «Oder Bandmanager, die bis vor der Krise seit Jahrzehnten von ihrer Arbeit leben konnten, und nun – von einem Tag auf den anderen – verdienen sie nichts mehr.»

 

Aber der Bundesrat hat doch finanzielle Hilfe zugesichert? «Ich bekomme als Hilfe 3.20 Franken pro Tag», erklärt Ellmerer konsterniert. «Ich habe bislang noch niemanden getroffen, der mehr als 300 Franken im Monat als Unterstützung zugesichert bekommen hat.»

 

Ellmerer hat für zeitpunkt.ch ein Video aufgenommen, in welchem sie über ihre Lage und über jene ihrer Kollegen und Kolleginnen im Künstlerbereich und Kleingewerbe berichtet. Es ist zeitgleich ein Aufruf an die Regierung, damit man «Bitte!» Selbstständigen in der Schweiz eine Soforthilfe zugesteht.

 

 

 

 

 

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Camilla Landbø

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